Verfasst von: sibyllemeder | 24. Juli 2009

Aussteigen? Einsteigen. Umsteigen! – Der Inselbus kommt bald!

Vor drei Jahren tauchten mitten im Sommer zwei bayerische Damen vor meiner Haustür auf und steckten ihre sonnengebräunten Nasen in mein Büro. Dazu muss man erwähnen, dass besagtes Büro der Mittelraum eines älteren Steinhauses ist, dessen Eingangstür direkt auf die Straße führt – wie bei älteren Inselhäusern so üblich – und dass sich circa 10 Meter von meinem Schreibtisch entfernt die Ägäis kräuselt. (Ein sehr angenehmer Umstand an heißen Sommertagen..)

Die zwei bayerischen Damen, eventuell ob des Fehlens von Alpen oder Weißbier verunsichert, schienen mich für die örtliche deutschsprachige Touristeninformation zu halten – schließlich saß ich hinter einem Schreibtisch mit Blick auf das Meer (und auf die Tür, durch die sie ihre Köpfe steckten) – und sie fragten nach Herzenslust drauflos.

Schnell stellte sich heraus, dass ich von keinem Fremdenverkehrsverein allein zu ihrer Belustigung in diesem Büro abgestellt war, sondern gerade den Entwurf eines Drehbuchs bearbeitete. („Ach, interessant!“ „Dann sind sie also Schriftstellerin, oder sowas?“)

Ich nickte höflich und erwähnte, dass ich, ja, auch Geschichten schreibe, drückte ihnen als handfesten Beweis meinen gerade frisch veröffentlichten Erzählungsband „Der Traum der Fische“ in die Hand, und fügte hinzu, dass es sich bei dem Drehbuch aber um die Vorlage für einen hier zu drehenden Kurzfilm handele.

Das ließ sie aufhorchen.

„Ach, und da schreiben Sie hier so im Urlaub?“, fragte die Brünette.

„Nein. Ich lebe hier. Ich schreibe also während meiner Arbeitszeit.“

Das provozierte eine längere Pause, in der die andere, blonde ein wenig den Raum musterte. (Die Damen waren inzwischen eingetreten, um sich mal ein bisschen umzusschauen. Sowas macht man ja schließlich im Urlaub.)

Die Tür zum Schlafzimmer stand offen. Recht üblich im Sommer, denn die Meeresbrise kühlt die Räume meist angenehm aus. Die Blonde schien diese Theorie überprüfen zu wollen und steckte ihren Kopf durch die Tür ins Schlafzimmer.

Halb wünschte ich, das Bett wäre nicht gemacht und mein Freund läge darauf (nackt und ohne Decke) in ein Buch vertieft. Aber auch mein Freund arbeitet in seiner Arbeitszeit – und so tippte erausreichend bekleidet im Nebenraum an einem Artikel, und die Blonde fand anscheinend keinen Grund, sich zu schämen.

Die beiden Damen, sich der tristen Tatsache bewusst, dass es außer den Bildern an den Wänden („Haben Sie die selbst gemalt?“) und meiner für sie unsichtbaren, weil im Laptop stattfindenden Arbeit hier nichts gab, was von exotischem Wert war – außer vielleicht der Tatsache selbst, dass mein Büro zwischen alten Steinmauern steckte und nur ein paar Schritte vom Strand und ihren Badetüchern entfernt war – machten missmutige Gesichter.

„Aber Deutsche sind Sie schon?“, fragte die Blonde.

Ich bejahte.

Die Brünette war zu einer Schlussfolgerung gekommen.

„Dann sind Sie also eine Aussteigerin, ja?“

Ich war zu baff für eine schlagfertige Antwort.

Vor kurzem schrieb mir jemand: „Ich freue mich, dass es dir im „Beruf“ gut geht“. Auch wieder so ein verblüffender Ausdruck.

Wäre mein „Beruf“ ein Beruf ohne Anführungszeichen, wenn ich ihn im Mutterland, der Heimat, auf dem guten alten deutschen Grund und Boden ausübte? Woraus bin ich „ausgestiegen“ (Anführungszeichen verdient!), als ich nach dem Studium und der Filmschule beschloss, den „Beruf“ (?!) im Ausland auszuüben. Aus dem Gesellschaftsvertrag? Der Rentenkasse? Dem Kegelverein?

Wie gut, dass es den Inselbus gibt! Eine Gelegenheit, wieder einzusteigen. Ist zwar nur der öffentliche Personennahverkehr einer kleinen Dodekanesinsel und auch nicht immer termingenau. Aber was man in letzter Zeit so aus der deutschen Hauptstadt (meiner alten „Heimat“, übrigens) hört, lässt den Inselbus als Inbegriff der Effizienz (und des Service-Gedankens) erscheinen.

Mehr davon bald!

MfG,

die Umsteigerin😉


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