Verfasst von: sibyllemeder | 14. Oktober 2009

Gedankenordner I: mein neues Buch “Der Hund, der lächelte”

Hier gab es in letzter nicht all zu viel Neues zu lesen. Das liegt nicht etwa daran, dass ich plötzlich schreibfaul geworden wäre – mitnichten! Vielmehr schreibe (und überarbeite) ich wie eine Wilde.

Ich sitze gerade über den Korrekturfahnen von “Der Hund, der lächelte”. Es ist mein zweites Buch mit acht Erzählungen vom Leben nach der Katatstrophe. Und damit ist nicht nur das große Desaster gemeint, sondern auch das kleine Malheur. Heiter bis wolkig eben. In Kürze gibt es mehr zu lesen bei google.bücher oder lulu.com.

Verfasst von: sibyllemeder | 15. September 2009

Erste Schnitte

Ich hatte mich schon darauf gefreut, in mein bisher gefilmtes Material im wahrsten Sinn des Wortes einzutauchen – dass das sommerliche Mittelmeer immer den Hintergrund bildet, unterstützt die Metapher natürlich noch – und stelle jetzt fest, dass ich es mir nicht verkneifen kann, von der Auflistung der einzelnen Sequenzen, Einstellungen und O-Töne und einer genauen Beschreibung der gefilmten Aktionen (als Gedächtnisstütze für den Schnitt) immer wieder abzuweichen und ein paar Minuten Material einzuspielen und daran „herumzuschneiden“.

Im Gegensatz zum fiktionalen Film, kann man bei einer Dokumentation schließlich an jedem beliebigen Punkt einsteigen. (Bis zu einem gewissen Grad geht das natürlich auch im Spielfilm. Aber in den meisten Fällen wird es einfach nicht so gemacht. Schade eigentlich. Muss ich mir merken für den nächsten Schnitt!)

Also kann man auch beim Doku-Editing an jedem beliebigen Punkt loslegen. Warum eigentlich nicht?

Eine erste Entdeckung habe ich schon gemacht: eine Szene, die ich komplett in einer Einstellung gefilmt hatte – aus praktischen Gründen, denn ich musste mich gleichzeitig am Kabinendach festhalten, um nicht in die Ägäis zu purzeln – wirkt in dieser einen Einstellung besser, als wenn ich einzelne Momente raffe, Großaufnahmen statt weniger starker Halbnaher einsetze. Die geschnittene Version hat zwar die gefälligere Struktur, teilweise besser Bilder, aber die Unmittelbarkeit ist weg. Vielleicht spürt man in der ungeschnittenen Sequenz meine wackelige Balance im Seegang – und fragt sich, wann die Kamerafrau wohl im Meer landet…

Dazu habe ich hoffentlich demnächst noch Gelegenheit. Der erste Gewittersturm nach dem Sommer ist vorbei, und die See sieht glatt und ruhig aus. Zeit, noch ein paar zusätzliche Einstellungen zu filmen.

Verfasst von: sibyllemeder | 15. September 2009

Inspirationen

Bücher, die ich gerne lese, wenn ich selber filme:

Charlotte Chandler: Ich, Fellini.

(Zeigt mir immer wieder, dass es nicht nur eine richtige, sondern tausend mögliche Weisen gibt, einen Film zu drehen. Viel Raum für Experimente.)

Stig Björkman: Woody über Allen.

(Schon allein wegen Woodys Ratschlag für eine Filmausbildung lese ich die Interviews immer wieder gerne (frei nachempfunden in etwa): Gehen Sie einfach ins Kino! Sie werden durch Osmose lernen, was Sie brauchen.)

Verfasst von: sibyllemeder | 19. August 2009

Fischen und Filmen

In Windstärke 5 nach Sonnenuntergang auf der Kabine eines kleinen Fischerboots hockend, die linke Hand ans Dach gekrallt, die Füße fest gegen ein überstehendes Brett gestemmt und mit der rechten Hand die Videokamera ans Auge gepresst – so begannen meine Dreharbeiten zu einer Dokumentation, deren Arbeitstitel bis jetzt „Der letzte Fisch“ lautet.

Selbst an einem sonnigen Morgen kann der Horizont auf einem Kaiki ein bisschen verrutschen.

Selbst an einem sonnigen Morgen kann der Horizont auf einem Kaiki ein bisschen verrutschen.

Der Titel ist nicht von ungefähr, denn Stelios und Nikos, die mich freundlicherweise auf ihrem Kabinendach Klabautermann spielen ließen, verdienen sich zwar ihren Lebensunterhalt durch das Fischen – wie sie das allerdings genau anstellen, ohne zu verhungern, das muss ich erst noch herausfinden.

An jenem Morgen nach meinem Kabinendach-Stunt jedenfalls, als wir die Netze wieder einholten, die wir am Abend zuvor unter Einsatz des Lebens meiner Kamera ausgelegt hatten, waren in geschätzten 3 Kilometern Netz gerade mal um die 5 Kilo Fisch. Für acht Stunden Arbeit von drei Personen (ein Fischer-Lehrling war auch noch dabei) ist das keine besonders reiche Beute.

Sie sehen vielleicht gut aus, aber im Allgemeinen mögen Fischer Netze mehr, wenn sie voller Fisch sind.

Sie sehen vielleicht gut aus, aber im Allgemeinen mögen Fischer Netze mehr, wenn sie voller Fisch sind.

Stelios und Nikos sind sich einig, dass dies ein besonders schlechtes Jahr ist. Auch im Winter sei der Fang schon miserabel gewesen. Ich bin gespannt, welche Gründe sie dahinter vermuten. Um sie danach zu fragen, werde ich in dieser Woche einen Interviewtermin mit den beiden organisieren.

Stelios bei einer ausgefeilten Choreographie auf einem Kaiki.

Stelios bei einer ausgefeilten Choreographie auf seinem Kaiki.

Bis dahin hätte ich gerne ein paar der Fotos vom Fischen ausgedruckt, als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft auf dem Boot. Doch der Drucker streikt. Natürlich! Ich hätte vielleicht keinen Kommentar über die Analogie von Fisch- und Bilderfang machen sollen…

Verfasst von: sibyllemeder | 24. Juli 2009

Aussteigen? Einsteigen. Umsteigen! – Der Inselbus kommt bald!

Vor drei Jahren tauchten mitten im Sommer zwei bayerische Damen vor meiner Haustür auf und steckten ihre sonnengebräunten Nasen in mein Büro. Dazu muss man erwähnen, dass besagtes Büro der Mittelraum eines älteren Steinhauses ist, dessen Eingangstür direkt auf die Straße führt – wie bei älteren Inselhäusern so üblich – und dass sich circa 10 Meter von meinem Schreibtisch entfernt die Ägäis kräuselt. (Ein sehr angenehmer Umstand an heißen Sommertagen..)

Die zwei bayerischen Damen, eventuell ob des Fehlens von Alpen oder Weißbier verunsichert, schienen mich für die örtliche deutschsprachige Touristeninformation zu halten – schließlich saß ich hinter einem Schreibtisch mit Blick auf das Meer (und auf die Tür, durch die sie ihre Köpfe steckten) – und sie fragten nach Herzenslust drauflos.

Schnell stellte sich heraus, dass ich von keinem Fremdenverkehrsverein allein zu ihrer Belustigung in diesem Büro abgestellt war, sondern gerade den Entwurf eines Drehbuchs bearbeitete. (“Ach, interessant!” “Dann sind sie also Schriftstellerin, oder sowas?”)

Ich nickte höflich und erwähnte, dass ich, ja, auch Geschichten schreibe, drückte ihnen als handfesten Beweis meinen gerade frisch veröffentlichten Erzählungsband “Der Traum der Fische” in die Hand, und fügte hinzu, dass es sich bei dem Drehbuch aber um die Vorlage für einen hier zu drehenden Kurzfilm handele.

Das ließ sie aufhorchen.

“Ach, und da schreiben Sie hier so im Urlaub?”, fragte die Brünette.

“Nein. Ich lebe hier. Ich schreibe also während meiner Arbeitszeit.”

Das provozierte eine längere Pause, in der die andere, blonde ein wenig den Raum musterte. (Die Damen waren inzwischen eingetreten, um sich mal ein bisschen umzusschauen. Sowas macht man ja schließlich im Urlaub.)

Die Tür zum Schlafzimmer stand offen. Recht üblich im Sommer, denn die Meeresbrise kühlt die Räume meist angenehm aus. Die Blonde schien diese Theorie überprüfen zu wollen und steckte ihren Kopf durch die Tür ins Schlafzimmer.

Halb wünschte ich, das Bett wäre nicht gemacht und mein Freund läge darauf (nackt und ohne Decke) in ein Buch vertieft. Aber auch mein Freund arbeitet in seiner Arbeitszeit – und so tippte erausreichend bekleidet im Nebenraum an einem Artikel, und die Blonde fand anscheinend keinen Grund, sich zu schämen.

Die beiden Damen, sich der tristen Tatsache bewusst, dass es außer den Bildern an den Wänden (“Haben Sie die selbst gemalt?”) und meiner für sie unsichtbaren, weil im Laptop stattfindenden Arbeit hier nichts gab, was von exotischem Wert war – außer vielleicht der Tatsache selbst, dass mein Büro zwischen alten Steinmauern steckte und nur ein paar Schritte vom Strand und ihren Badetüchern entfernt war – machten missmutige Gesichter.

“Aber Deutsche sind Sie schon?”, fragte die Blonde.

Ich bejahte.

Die Brünette war zu einer Schlussfolgerung gekommen.

“Dann sind Sie also eine Aussteigerin, ja?”

Ich war zu baff für eine schlagfertige Antwort.

Vor kurzem schrieb mir jemand: “Ich freue mich, dass es dir im “Beruf” gut geht”. Auch wieder so ein verblüffender Ausdruck.

Wäre mein “Beruf” ein Beruf ohne Anführungszeichen, wenn ich ihn im Mutterland, der Heimat, auf dem guten alten deutschen Grund und Boden ausübte? Woraus bin ich “ausgestiegen” (Anführungszeichen verdient!), als ich nach dem Studium und der Filmschule beschloss, den “Beruf” (?!) im Ausland auszuüben. Aus dem Gesellschaftsvertrag? Der Rentenkasse? Dem Kegelverein?

Wie gut, dass es den Inselbus gibt! Eine Gelegenheit, wieder einzusteigen. Ist zwar nur der öffentliche Personennahverkehr einer kleinen Dodekanesinsel und auch nicht immer termingenau. Aber was man in letzter Zeit so aus der deutschen Hauptstadt (meiner alten “Heimat”, übrigens) hört, lässt den Inselbus als Inbegriff der Effizienz (und des Service-Gedankens) erscheinen.

Mehr davon bald!

MfG,

die Umsteigerin ;-)

Verfasst von: sibyllemeder | 20. Juli 2009

Die Mauern in unseren Köpfen…

Heute zieh ich los und fotografier eine Mauer. Klingt schwachsinnig, ich weiß. Aber ich mache damit einen Nachbarn glücklich. Die Griechen sind – man weiß das ja sonst gar nicht so – völlig wild auf Mauern. Vor allem, wenn sie mitten in der Gegend rumstehen und sonst nix da ist. Das signalisiert aber dem gemeinen Griechen immerhin, dass da was sein sollte, oder, noch besser: sein könnte. Zum Beispiel ein siebenstöckiges Hotel. Oder ein Restaurant, ein Café, gerne auch zwei oder drei. Ich bin ja dafür, dass Tilos mindestens ein Café pro Einwohner haben sollte. Kein Kino, keine Ampel, kein Theater, nicht mal ein Einkaufszentrum (!) – Huch, wie kann man hier nur leben, fragt sich da so mancher…- aber MINDESTENS ein Café pro Einwohner. Die Tiloten haben anscheinend die gleiche Meinung und arbeiten fleißig daran, jede freie Stelle und jede Bauruine, die sie finden können, in ein Café zu verwandeln. In dem dann die vereinsamten Besitzer sitzen (eben!) und auf Kundschaft warten, die natürlich nicht kommt, weil die andern ja auch in ihren eigenen Cafés sitzen und auf Kundschaft warten müssen, was auf die Dauer langweiliger ist, als zusammen in einem Café zu sitzen und nicht auf Kundschaft, sondern nur aufs Bier (oder den Ouzo) zu warten – aber bei der Überlegung sind die meisten frischgebackenen Café-Besitzer noch nicht angekommen.

Ich weiß nicht genau, welchem Zweck die Mauer dienen soll, die zu fotografieren ich mich bereit erklärt habe. Könnte natürlich sein, dass es ein Restaurant werden soll (vielleicht mit Kaffee-Ausschank). Das ist dann natürlich was ganz anderes! ;-)

Mehr über Mauern, bzw. das, was man darauf so findet, gibt’s unten in Musicbox zu sehen.

Verfasst von: sibyllemeder | 20. Juli 2009

MUSICBOX – ein Film made on Tilos

Im Oktober 2008 auf Tilos gedreht, beweist MUSICBOX, wie lebendig die Filmszene auf Tilos sein kann… ;-)

So, jetzt zieh ich los und fotografier eine Mauer. Klingt schwachsinnig, ich weiß. Aber ich mache damit einen Nachbarn glücklich. Die Griechen sind – man weiß das ja sonst gar nicht so – völlig wild auf Mauern. Vor allem, wenn sie mitten in der Gegend rumstehen und sonst nix da ist. Das signalisiert aber dem gemeinen Griechen immerhin, dass da was sein sollte, oder, noch besser: sein könnte. Zum Beispiel ein siebenstöckiges Hotel. Oder ein Restaurant, ein Café, gerne auch zwei oder drei. Ich bin ja dafür, dass Tilos mindestens ein Café pro Einwohner haben sollte. Kein Kino, keine Ampel, kein Theater, nicht mal ein Einkaufszentrum (!) – Huch, wie kann man hier nur leben, fragt sich da so mancher…- aber MINDETENS ein Café pro Einwohner. Die Tiloten haben anscheinend die gleiche Meinung und arbeiten fleißig daran, jede freie Stelle und jede Bauruine, die sie finden können, in ein Café zu verwandeln. In dem dann die vereinsamten Besitzer sitzen (eben!) und auf Kundschaft warten, die natürlich nicht kommt, weil die andern ja auch in ihren eigenen Cafés sitzen und auf Kundschaft warten müssen, was auf die Dauer langweiliger ist, als zusammen in einem Café zu sitzen und nicht auf Kundschaft, sondern nur aufs Bier (oder den Ouzo) zu warten – aber bei der Überlegung sind die meisten frischgebackenen Café-Besitzer noch nicht angekommen.

Ich weiß nicht genau, welchem Zweck die Mauer dienen soll, die zu fotografieren ich mich bereit erklärt habe. Könnte natürlich sein, dass es ein Restaurant werden soll (vielleicht mit Kaffee-Ausschank). Das ist dann natürlich was ganz anderes! ;-)

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